Von Raubrittern und unkeuschen Nonnen

Oder: Warum Holteyer Blut (in homöopathischen Dosen) durch die Adern fast aller gekrönter Häupter Europas fließt.

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Die Familie Holtey entstammt dem westfälischen Landadel der Grafschaft Mark. Die früheste schriftliche Erwähnung datiert aus dem späten 12. Jahrhundert: In den "Traditiones Werdinensis", der Chronik des Klosters Werden, wird Arnoldus de Holtoye als einer der Dienstmannen (Ministerialis ecclesiae) des Abtes Heribert I. von Berg (1183-1196) geführt. Der älteste direkte Nachweis stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert: Eine Urkunde des Erzbischofs von Köln (Engelbert I. von Berg) aus dem Jahr 1221 benennt „Arnoldus de Holtoye et Arnoldus filius eius“ als Zeugen einer Schenkung zugunsten des Klosters Saarn. Die sichere Stammreihe beginnt mit Everhard Holtey, der im 14. Jahrhundert über die drei Güter Bruch, Benninghofen und Erlenkamp im Amt Hörde (bei Dortmund) verfügte.

Der erste Familiensitz lag jedoch am südlichen Ruhrufer (heute Stadtgebiet Essen-Burgaltendorf), im Norden der sogenannten Ruhrhalbinsel, einer im frühen Mittelalter stark bewaldete Region, die nach mündlicher Überlieferung als „die Holtey“ (altfriesisch für "Holzinsel") bekannt war. Im Essener Stadtteil Burgaltendorf beschreiben heute die Holteyer Straße, der Holteyer Hang und der Holteyerberg die Lage des ehemaligen Holteyer Hofes. Westlich davon findet man außerdem Überreste des Holteyer Hafens, der von 1840 bis 1880 in Betrieb war. Den Ursprung der Familie Holtey von der Ruhrhalbinsel unterstreicht auch die aktuelle Verteilung des Namens in Deutschland (deutliche Häufung im Ennepe-Ruhr-Kreis).


Stadtplan mit Markierung der ursprünglichen Lage des Holteyer Hofes


Gegen Ende des 12. Jahrhunderts soll der Holteyer Hof befestigt und mit einem Wassergraben versehen worden sein.




Zeichnung der Burg Holtey (ein "Phantasieprodukt", entstanden um 1900, das sich aber an Überresten der Grundmauern und alten Bauzeichnungen orientiert haben soll)

Quelle: Familie Schulte-Holtey


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In direkter Nachbatschaft des Rittergutes derer von Holtey lagen zwei weitere Burgen:


Die Holteyer Straße verband einst den Holteyer Hof und die nur etwa einen Kilometer entfernte Burg Altendorf. Diese entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, wohl vor 1166. Als Bauherren kommen die Grafen Berg bzw. Altena (bis bzw. ab 1161 Vögte des Stiftes Essen) oder die Erzbischöfe von Köln in Frage. Die Anlage diente trotz des beeindruckenden Wohnturms weniger militärischen Zwecken - dafür war die Lage nicht geeignet - sondern vielmehr als Verwaltungssitz (Ministerialenburg). Erste urkundlich gesicherte Aufsitzer der Burg waren die Herren von Altendorf, die 1297 als Lehnsmänner der Grafen von der Mark genannt werden und zu dieser Zeit das Erbdrosteamt des Reichsstiftes Essen inne hatten. Dieter Bonnekamp vom Heimat- und Burgverein Essen-Burgaltendorf berichtet, die Herren von Altendorf entstammten einer Ministerialenfamilie aus Klein-Altendorf (bei Wormersdorf, Amt Neuenahr), die im Dienst der Erzbischöfe von Köln gestanden haben dürfte. 1386 ging die Burg durch Heirat an eine andere Familie.



Wohnturm der Burg Altendorf (Ruine)

Ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft des Gutes Holtey, etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt, allerdings auf dem jenseitigen Ruhrufer, liegt Haus Horst (heute Stadtgebiet Essen-Horst). Mitte des 11. Jahrhunderts noch ein bäuerliches Anwesen nahe der Ruine der alten Fliehburg, war es im 13. Jahrhundert der befestigte Stammsitz der Ritter von Horst(-Eickenscheidt), einem verzweigten westfälischen Adelsgeschlecht, zu deren Anwesen u.a. Burg Horst im Emscherbruch (heute Stadtgebiet Gelsenkirchen) gehörte. Die Genealogie derer von Horst ist unklar, möglicherweise besteht nicht zwischen allen Linien mit Namen von Horst ein verwandtschaftliches Verhältnis. Rutgerus de Horst soll 1197 Marschall des Stiftes Essen gewesen sein, ein Amt, das in der Folge fest in der Hand der Familie Horst(-Eickenscheidt) blieb. Die Ritter von Horst zählten zu den bedeutendsten Geschlechtern des Reichsstiftes, was die Anlage eines Turnierhofes auf der Burg im Jahr 1359 unterstreicht. Zu ihrem weitläufigen Grundbesitz gehörten neben diversen Gehöften, einem Weinberg und einer Fischzucht auch eine Mühle. Mitte des 15. Jahrhunderts fiel die Burg an die Familie von Vaerst.

  Karte von 1681 (vergrößerbare Ansicht hier klicken)

Die Ritter von Holtey lebten also in einer potenziell konfliktreichen Region: Zwischen zwei wehrhaften Burgen, deren Herren traditionell entweder im Dienst der Fürstäbtissinen des Stiftes Essen (Ritter von Horst) oder der konkurrierenden Landesherren (Familie von Altendorf) standen. Offenbar waren die Holteys besonders dem Kloster Werden verbunden, als dessen Ministerialen sie genannt werden und in dessen Besitz das Gut Holtey schließlich überging. Neben dem Stift Essen, der Abtei Werden und der Grafschaft Mark verfolgten hier zeitweilig außerdem die Grafschaft Berg und Kurköln eigene territoriale Interessen.

Historisch betrachtet lagen die Häuser Horst, Altendorf und Holtey im ehemaligen Grenzgebiet zwischen dem fränkischen Reich und Sachsen, das um 800 von Karl dem Großen erobert wurde.

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Vermutlich stammt das in den Wappen der Familien Holtey, Altendorf und Eickenscheidt (ansässig auf Gut Eickenscheidt, heute Stadtgebiet Essen-Steele) verwendete Motiv der beim Fang von Wildpferden genutzten Pramen in der Anordnung 2:1 ursprünglich vom Wappen der Ritter von Horst. Deren weiterer Familiensitz im Emscherbruch befand sich in der Nähe eines Wildbahngestüts (Wildpferdgehege), auf dem der Emscherbrücher Dickkopp gezüchtet wurde. Das Haus Horst zählte zu den wenigen Adelsgeschlechtern, die berechtigt waren, dort Wildpferde einzufangen und als solche "Emscherberechtigte" die Pferdebremse im Wappen zu führen. Die Anzahl von drei Pramen wies den Wappenträger als Marschall aus - ein Amt, das die Ritter von Horst im Stift Essen mindestens vom 12. bis ins 14. Jahrhundert inne hatten.


Das Wappen der Ritter von Horst (drei silberne Pramen auf rotem Grund)

Die Wappen der drei benachbarten Familien entstanden wahrscheinlich durch Scheidung (Differenzierung) aus dem Wappen derer von Horst. Die Ähnlichkeit der Wappen ist ein Hinweis darauf, dass sie mit den Rittern von Horst verwandt waren und von deren Ansehen profitieren wollten. Die älteste Scheidung dürfte das Wappen der Holteys sein, da es dem Vorbild am ähnlichsten ist. In den Altendorfer und Eickenscheidter Wappen wurde die Darstellung der Pramen durch Bänder ergänzt. Tatsächlich bezeichnet eine Urkunde zur Erbteilung zwischen den Brüdern Engelbert, Gerhard und Hugo von Horst 1319 neben anderen auch Herrn Wenemar von Aldendorpe und Herrn Diderik von Holtoye, die das Dokument siegelten, explizit als Verwandte.

Irene Voigt berichtet in ihrem lesenswerten Buch "Burg Horst", dass die Ritter von Horst, von Eickenscheidt und von Holtey offensichtlich einer Familie angehörten, wofür es diverse Belege gäbe. Beispielsweise habe sich der Autor eines Schriftstückes aus dem Jahr 1282 selbst als "ego Heinricus de Ekensheyde sive de Horst miles" (Ich, Ritter Heinrich von Eickenscheidt oder von Horst) bezeichnet und erwähnt, dass einer seiner Brüder von Holtey heiße. Irene Voigt vermutet, dass der gemeinsame Familienstammbaum auf die Schulten des Oberhofes Eickenscheidt zurück geht. Diese seien aufgrund ihrer Verdienste - im Jahr 938 fand ein Reichstag in Steele statt, Eickenscheidt übernahm die Versorgung der königlichen Gäste - zu Ministerialen des Stiftes Essen aufgestiegen und hätten schließlich als Ritter die Burg Horst und das Gut Holtey bewohnt. Je nachdem, wo ein Mitglied der Familie residierte bzw. aufsaß, nannte es sich von Eickenscheidt, von Horst oder von Holtey. Mit der Zeit hätten sich jedoch autarke Linien mit festem Beinamen (und eigenem Wappen) gebildet.

Bereits eine Veröffentlichung des Historischen Vereins Essen von 1938 ("Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen") führt die Familien Horst, Eickenscheidt und Holtey (sowie Homberg) auf einen gemeinsamen Stammbaum zurück. Älteste Vertreter des Geschlechtes seien demnach Hemmo und Theodoricus de Horst, um 1170 erkundlich erwähnt. Henricus de Horst, 1222 als Essener Marschall genannt, sei der Vater von Heinrich von Eickenscheidt (ebenfalls Marschall des Stiftes Essen), dessen Sohn Theodorus sich abwechselnd von Eickenscheidt, von Horst und von Holtey genannt habe. Er soll 1289 als Theodorus (der Ältere) von Holtey gemeinsam mit Albert von Schedelike (Schalke) zwei Bürger aus Soest gefangen genommen und ein Lösegeld von 100 Mark erpresst haben. [Diese Episode erwähnt auch Irene Voigt.]

Ich neige jedoch zu der Annahme, dass die Holteys eines der Stammgeschlechter der oben genannten, vermutlich verwandten Essener Sippen waren (vielleicht gemeinsam mit dem Haus Horst). Zum Einen spricht der recht eindeutig aus dem Friesischen hergeleitete Name für eine Zuwanderung der Familie und gegen eine spätere Abspaltungen von einem anderen Haus. Zum Anderen gibt die administrative Nähe der Holteys zum Kloster Werden einen Hinweis, dass die Familie möglicherweise schon zur Frühzeit des Klosters (gestiftet um 800) in der Gegend beheimatet war und die Aufgaben von Minesterialen übernehmen konnte - übrigens missionierte der Gründer und erste Leiter des Klosters Werden, der heilige Liudger, zuvor in Friesland. Vielleicht traf er dort auf Mitglieder des Hauses Holtey, die ihm und Karl dem Großen in den Sachsenkrieg folgten?

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Die Ritter von Holtey hatten sich im 13. Jahrhundert mit den Fürstäbtissinen überworfen und zu „Raubrittern“ entwickelt (Wahlspruch: Reiten und Rauben das ist keine Schand, das tun die Besten von dem Land). Sie fügten dem Reichsstift Essen so ernsten Schaden zu, dass Papst Clemens V. um 1310 in Avignon mittels einer päpstlichen Bulle einen Bannspruch gegen Theodorus den Älteren und seinen Sohn Theodorus den Jüngeren (Diderik) von Holtey erließ - der Familie drohte durch die Exkommunikation der wirtschaftliche und gesellschaftliche Ruin. Mit dem Vollzug des Bannes und dem Schutz des Stiftes Essen beauftragte sein Nachfolger, Papst Johannes XXII., schließlich den Abt von Werden. 1318 beurkundete Diderik von Holtey, "zwischen ihm und den Äbtissinen sowie dem Kapitel des Stiftes Essen hat es Streit gegeben...". Zur Sühne übertrug er einige seiner Ländereien (laut Norbert Schulte-Holtey handelte es sich um Grundbesitz in Varenberg - heute Fahrenberg - und Dudenberge - heute Dumberg) an die Fürstäbtissin und unterwarf sich ihrer Gerichtsbarkeit, "es sei denn, man würde ihm die Gerechtigkeit notorisch verweigern". Dies erlöste die Holteys von dem Bann. Dennoch erschien die Burg Holtey im Jahr 1319 im Lehnsverzeichnis der Abtei Werden; die Holteys hatten die Besitzrechte an ihrem Stammgut verloren. Oben erwähnte Urkunde aus dem Jahr 1319 belegt, dass der Vorwurf des Raubrittertums auch das angesehene Adelsgeschlecht derer von Horst einschloss: Die drei Brüder distanzierten sich in dem Dokument förmlich vom Straßenraub ("keen straatraup mehr up dat feste hus Horst zu bringen"). Irene Voigt hält es für möglich, dass die Schuldfrage dabei nicht so eindeutig zu beantworten sei, wie es den Anschein habe. Die Ritter von Holtey respektive von Horst könnten berechtigte Ansprüche an die Fürstäbtissinen gehabt haben, denen sie auf die damals übliche Art Nachdruck verliehen.

Vielleicht war das Schicksal der Holteys u.a. Folge des seit langem schwelenden Konfliktes zwischen kirchlichen und weltlichen Herrschern um die Verwaltung (bzw. Ausbeutung) der kirchlichen Liegenschaften. Im Jahr 1225 hatte dieser Streit zum aufsehenerregenden Mord am Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg geführt, wofür Graf Friedrich von Isenberg 1226 hingerichtet worden war. Seine Nachfahren waren die Grafen von Limburg, in deren Umfeld die Holteys seit dem späten 13. Jahrhundet auffällig oft erwähnt wurden. Vor diesem Hintergrund ist es zwar spekulativ, aber durchaus denkbar, dass sich die Holteys zunächst auf die Seite der Isenberger, später der märkischen Grafen, und damit gegen das Erzstift Essen und die Abtei Werden stellten, während die Ritter von Horst als Ministerialenfamilie den Essener Äbtissinen die Treue hielten.

Nach der offensichtlichen Niederlage der Holteys im Streit mit den Kirchenfürsten verschwanden die Ritter um die Mitte des 14. Jahrhunderts jedenfalls aus dem Essener Raum - ihr Gut in der Holtey ging 1367 an Hugo von Horst, um 1400 als Lehen der Abtei Werden an die Familie von Düngelen und danach an Verwandte der Familie von Altendorf.

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  Dortmund um 1600

Anscheinend hatten die Holteys aber rechtzeitig eine neue Heimat in Eichlinghofen (heute Stadtgebiet Dortmund-Eichlinghofen) in der Grafschaft Mark gefunden. Der Historiker Johann Diderich von Steinen erwähnt das Kirchspiel Eickelinghoven neben dem Altendorfer Gut als Stammsitz der Holteys ("Westfälische Geschichte", Lemgo, 1750 ff.). An die Familie erinnert heute noch die Straße Hinter Holtein. Eichlinghofen war als Sitz des Gogerichtes von überregionaler Bedeutung - einem Hoch- bzw. Berufungsgericht für die Landbevölkerung, vor dem schwere Verbrechen verhandelt und die Todesstrafe verhängt werden konnte. Zu seinem Zuständigkeitsbereich (Gografschaft) zählten neben Eichlinghofen auch Bochum, Hamm, Hattingen und Kamen. Ob die Holteys als Gografen fungierten und die gerichtlichen Verhandlungen leiteten, deren Urteile von Schöffen gesprochen wurden, ist nicht überliefert. Nach Gründung der Stadt Hörde 1340 verlagerte sich der Sitz des Gerichtes im 15. Jahrhundert auf die dortige Burg. Unklar bleibt, wie lange sich die Holteys in Eichlinghofen hielten - 1423 wurde der Ort niedergebrannt.

Mit dem Tod Heinrichs von Benninghofen, der mit Anna von Holtey verheiratet war und keinen männlichen Erben hinterließ, ging um 1370 auch das befestigte Haus Benninghofen (heute Stadtgebiet Dortmund-Benninghofen) an die Holteys - es diente der Familie fast 200 Jahre als deren Stammsitz. Die Eichlinghofer Holteys hatten zuvor bereits das benachbarte Haus Bruch (Broich) mit dem zugehörigen Haus Erlenkamp erworben. In ihrem Besitz waren außerdem Güter im Kirchspiel Wellinghofen. In Dotmund-Benninghofen findet sich daher ebenfalls noch eine Holteystraße. Eichlinghofen, Benninghofen und Bruch zählten zu den Liegenschaften der Ritter von Hörde, die als Ministerialen im Dienst der Grafen von der Mark standen. Die Holteys waren als Burgmannen auf der Hörder Burg unmittelbare Gefolgsleute der Herren von der Mark, denen die Anlage seit 1297 gehörte. Everhard (Sohn von Theodorus dem Jüngeren respektive Diderik) wurde um 1350 als Mitglied der hochgeachteten märkischen Ritterschaft genannt, dessen Sohn Goswin war 1380 Droste des Amtes Hörde. Spätestens ab diesem Zeitpunkt dürften die Holteys eines der einflussreichsten Geschlechter im Amt Hörde gewesen sein.

Zeichnung von Willi Garth (c): Burg Benninghofen (Torhaus) um 1920

Es ist wohl kein Zufall, dass die Grafen von der Mark die wehrhaften Ritter von Holtey in der Nähe von Dortmund mit Gütern und Ämtern versahen. Schließlich bestand zwischen den Grafen und der freien Reichsstadt eine langjährige Feindschaft, die 1388 in der großen Dortmunder Fehde gipfelte. Natürlich waren die Holteys an dieser Auseinandersetzung beteiligt: Goswin von Holtey schwor der Stadt Dortmund 1387 Urfede, 1391 siegelte er - neben anderen - den Friedensvertrag zwischen Engelbert III. und der Bürgerschaft. Raubzüge gegen reiche Kaufleute, v.a. natürlich aus Dortmund und anderen freien Städten, dürften hier, anders als noch unter Essener Gerichtsbarkeit, ohne schwerwiegende juristische Konsequenzen geblieben sein.

Um 1600 hatten die Holteys jedoch auch Burg Benninghofen und Haus Bruch verloren, der westfälische Zweig erlosch und ging teilweise in den angeheirateten Familien von Schaphusen (Goy), Schell und von Heese auf. Der märkische Ritterzettel aus dem Jahr 1609 benennt für das Amt Hörde neben vier anderen Familien zwar noch die Häuser Holtey zu Benninghausen, Holtey zu Broich, Holtey zu Heidthoff und Holtey zu Legelinghoven oder Evelinghoven (wahrscheinlich Ermelinghofen); ob sich das Inventar auf dem neuesten Stand befand, ist aber fraglich. Als letzten Mitherrn auf Benninghofen, Bruch und Erlenkamp nennt das Genealogische Handbuch des Adels Hermann von Holtey, dessen Sohn Hermann lebte bereits auf dem Gut Ermelinghofen. Sein Sohn Hugo heiratete um 1545 Margarete von Klebeck und wurde Pfandherr auf Dannenthal in Semgallen. Als letzter männlicher Holtey soll Winold 1580 in hohem Alter auf Gut Bruch verstorben sein.

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Bevor der westfälische Zweig endgültig im Dunkel der Geschichtsschreibung verschwand, tauchte jedoch noch eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten auf: Die Nonne Maria Caspara von Holtey, geboren 1520 als Tochter des Arnold von Holtey und der Hermanna Sobecke oder Seebecke, gestorben am 14.01.1558. Sie lebte zunächst im adeligen Töchtern vorbehaltenen Benediktinerinnen-Kloster Marienberg bei Boppard, von 1539 bis zu dessen Tod 1554 dann mit Philipp von Daun Graf von Falkenstein und Limburg. Mit ihm hatte sie zwei uneheliche Kinder. Phillip war selbst Geistlicher (Subdiakon in Köln), bemühte sich beim Papst jahrelang um eine Dispens und ließ sich schließlich 1552 von einem lutherisch gesinnten Pfarrer mit Caspara vermählen. Kurzgesagt: Das Leben von Caspara und Phillip war ein gesellschaftlicher Skandal erster Güte. Ihr gemeinsamer Sohn Wirich heiratete dreimal: Gräfin Ursula von Pfalz-Veldenz, Gräfin Elisabeth von Manderscheid-Blankenheim-Gerolstein und Gräfin Anna Margarethe von Manderscheid-Gerolstein. Er hatte insgesamt fünf Kinder und steht in direkter Ahnenreihe zu den derzeit herrschenden Häusern Englands, Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Spaniens, Belgiens, der Niederlande und Luxembourgs sowie dem letzten Deutschen Kaiser und dem letzten Griechischen König.

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Anhang: Wilhelm Honselmann: "Neues zur Geschichte der Familie von Holtey"; Der Märker 23 (1974), S.133-9 (PDF) Detaillierter Bericht zu den verwandtschaftlichen Verhältnissen der westfälischen Holteys inkl. Stammbaum und umfangreicher Quellenangaben

Lesetipp: Irene Voigt: "Burg Horst - Die Geschichte eines alten Hauses an der Ruhr 1142-1983", Pomp & Sobkowiak (nur noch antiquarisch erhältlich)